Andreas Jäschke

Ein Interview mit dem Präsidenten der OdA Gesundheit beider Basel

Andreas Jäschke ist Präsident der OdA Gesundheit beider Basel. Vor seiner Tätigkeit als OdA-Präsident wirkte er viele Jahre als Finanzchef und Geschäftsführer der Klinik Arlesheim, davor arbeitete er zudem als Mathematiker und Musiker.
 

Was hat Sie dazu motiviert, sich für die Arbeitswelt Gesundheit zu engagieren?

A.J.: Das ist aus meiner Verbandstätigkeit beim VNS (Vereinigung Nordwestschweizerischer Spitäler) entstanden. Als damaliges Vorstandsmitglied wurde ich vom Präsidenten der VNS gefragt, ob ich die Stelle übernehmen möchte. Mein Interesse an der Berufsbildung begleitete mich bereits als Klinikgeschäftsführer. Dabei wurde mir früh klar, dass die Ausbildung, sowohl bei Ärzten als auch in der Pflege, ein zentraler, aber oft unterschätzter Prozess im Krankenhaus ist. Diese Erkenntnis treibt mich bis heute an.
 

Was macht für Sie eine starke OdA aus?

A.J.: Die OdA hat aus meiner Sicht eine Doppelrolle. Einerseits sind wir als Dachverband politisch tätig und vertreten die Anliegen unserer Mitgliedsverbände. Andererseits sind wir selbst Bildungsanbieter. Diese Rollen gehören zusammen, das Eingebundensein in ein politisches Umfeld zweier Kantone mit Bildungs- und Gesundheitsdirektionen ist aber mitunter anspruchsvoll. Unser gemeinsames Ziel ist klar: eine hochwertige Ausbildung, damit auch künftig genügend gut ausgebildetes Fachpersonal im Gesundheits- und Pflegebereich zur Verfügung steht.

Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben als Präsident der OdA Gesundheit beider Basel?

A.J.: Die wichtigste Aufgabe war für mich, ein gut funktionierendes Team zusammenzustellen. Als ich vor fast sieben Jahren anfing, musste die Geschäftsführung bald neu besetzt werden. Heute bin ich sehr froh über dieses starke Team, das als echte „Working Community” zusammenarbeitet. Als Präsident ist es zudem meine Aufgabe, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen und einen konstruktiven Austausch zu ermöglichen. Dazu gehören auch die Pflege von Netzwerken, der Kontakt zur Politik und zu Verbänden sowie die Präsenz nach aussen, etwa durch Socializing an Tagungen.
 

Welche Herausforderungen bewegt die Gesundheitsbildung aktuell am meisten?

A.J.: Vor zwei bis drei Jahren stand der Fachkräftemangel klar im Vordergrund. Aktuell entspannt sich die Lage etwas, die grundlegenden Probleme bleiben jedoch bestehen. Hinzu kommen heute der demografische Wandel und der Einfluss von Social Media auf die Mitarbeitenden. Gerade in der Pflege, einer stark beziehungsorientierten und analogen Arbeit, drohen die kurzen Aufmerksamkeitsspannen Probleme zu bereiten im direkten Umgang mit Menschen. Dabei darf die Digitalisierung nicht den Menschen dominieren. Eine weitere zentrale Herausforderung ist die Umsetzung der Pflegeinitiative 117b. Während der erste Teil gut gelungen ist, steht der entscheidende Abschnitt zu den Arbeitsbedingungen noch bevor. Dabei sind Unternehmens-, Arbeits- und Teamkultur ausschlaggebend und oft entscheidend dafür, ob Fachkräfte im Beruf bleiben oder nicht.
 

Was ist Ihre Zukunfts-Vision für die OdA?

A.J.: Das Ziel besteht darin, die OdA als anerkannten Akteur im Gesundheitswesen zu etablieren und der Bildung den nötigen Stellenwert zu verleihen. Wir arbeiten zum Beispiel mit an einem Projekt, um das Berufsbild von Pflegenden im ambulanten Bereich zu stärken. Es entspricht internationalen Entwicklungen, wie sie beispielsweise in Skandinavien zu beobachten sind. Dies unterstützt die politisch gewollte Ambulantisierung angesichts des Ärzte- und Ärztinnenmangels.
 

Was würden Sie den Fachpersonen im Gesundheitsbereich mit auf den Weg gehen?

A.J.: Entscheidend ist, mit Begeisterung bei der Sache zu sein und sich voll und ganz auf den Beruf einzulassen. Viele Menschen sind heute unsicher, ob sie die richtige Wahl getroffen haben. Ich bin jedoch überzeugt, dass man einem Beruf eine echte Chance geben, ihm mit Offenheit und Freude begegnen und dabei stets auf die eigene innere Stimme vertrauen sollte.